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Wenn Reisen ein schlechtes Gewissen macht

Gewissen

Ihr wisst es ja inzwischen: Reisen ist meine große Leidenschaft. Ich reise oft, ich reise weit. In wenigen Wochen startet mein nächstes große Abenteuer: 10 Wochen Thailand. Und ich stecke bereits mitten in den Vorbereitungen, suche die günstigsten Verbindungen, schreibe Packlisten und sammle Dokumente zusammen.
Und dann halte ich inne und schaue mich um, was gerade in der Welt passiert. Ich sehe Bilder von Tausenden von Menschen, die ihre Heimat, ihre Familien, ihre Berufe, ihr ganzes Dasein verlassen, um in Europa ein sicheres Leben zu führen. Und ich kann es kaum abwarten, Deutschland mal wieder eine Zeit lang den Rücken zu kehren. Das ist so absurd, dass ich manchmal kaum weiß, wie ich mit diesen Gegensätzen umgehen soll.
Ich wanke zwischen Sprachlosigkeit und Aktionismus, zwischen Motivation zu helfen und Hilflosigkeit. Wenn ich Spenden in die Hamburger Messehallen bringe, beim Sortieren helfe oder mit Flüchtlingen, die ich erst wenige Stunden kenne, singe und tanze, dann schwappt mein Herz fast über vor Freude, dass ich wenigstens ein kleines bisschen bewegen kann. Und dann sehe ich wieder die neuen furchtbaren Bilder von erschöpften Gesichtern, Augen voller Hoffnung und von Menschen, die es nicht geschafft haben. Dann fühle ich mich hilfloser denn je und eine Traurigkeit, die sich nicht in Worte fassen lässt, erfüllt mich. So pathetisch, so belanglos wirken all diese Worte, die mir dazu einfallen. Sie können nicht zusammenfassen, was gerade in der Welt, in Deutschland, in meiner und Deiner Stadt passiert.

Menschen riskieren ihr Leben, um in meine Heimat zu kommen und ich investiere mein Einkommen, um im schicken Flieger um die Welt zu fliegen. Ich bin aufgeregt, manchmal ein bisschen ängstlich, aber vor allem voller Hoffnung auf eine großartige Zeit. Und dann mischt sich das schlechte Gewissen ein, „Wieso geht es Dir eigentlich so viel besser als vielen anderen Menschen“, flüstert es dann. Die Antwort? Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Es ist nicht fair, aber gerade deshalb versuche ich, das, was ich habe, ganz besonders wert zu schätzen . Denn bei all den Gewissensbissen geht es nicht darum, uns permanent schlecht zu fühlen. Es geht darum, etwas zu tun – im Großen oder im Kleinen. Einfach mal anzufangen. Von nah oder von fern. Denn jeder von uns kann seinen Teil leisten, sei es in Form von Zeit, von Geld, von Anteilnahme. Wenn ihr nicht wisst, was ihr machen könnt, fragt beim Roten Kreuz nach, bei der Diakonie in Euer Nachbarschaft, schaut Euch bei Facebook nach Helfer-Gruppen um. Versucht das zu tun, was Euren Möglichkeiten entspricht. Und dabei geht es nicht darum, das schlechte Gewissen zu tilgen, es geht darum zu helfen. Für Menschen da zu sein, die uns gerade dringend brauchen.

Dieser Artikel von zeit.de erklärt sehr einfach, wie ihr aktiv werden könnt.

Bei “Wie kann ich helfen” findet ihr deutschlandweite Hilfs-Projekte.

Die Facebook-Gruppe “Kleiderkammer Messehallen” ist ein tolles Beispiel, wie erfolgreich und effektiv man Flüchtlingshilfe organisieren kann.

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