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Reisen – die Flucht der Rastlosen?

Blick über den Grand Canyon

Reisen wir, um vor der Realität davon zu laufen? Weil unser Leben Zuhause zu langweilig, zu kompliziert, zu einengend ist? Als ich dieses Jahr meinen Job kündigte, plante ich sofort die nächste große Reise in die weite Ferne, der Gedanke daran erfüllte mich mit Aufregung und Zufriedenheit. Aber warum? Weil ich mich so vor der Entscheidung drücken konnte, wie mein Leben in Hamburg jetzt weiter gehen soll? Weil ich mich so von der ach so spießigen Vorstellung, sesshaft zu werden, erst Mal verabschieden konnte? Vielleicht.

Aus der Ferne sehen viele alltägliche Sorgen und Probleme viel kleiner und unscheinbarer aus. Weil Abstand gut tut und uns hilft, unsere Gedanken besser zu reflektieren, wenn wir aus unserem Umfeld rausgerissen sind. Aber lasst uns ehrlich sein: Die Dinge verändern sich nicht automatisch, nur weil wir plötzlich nicht mehr da sind und das süße Leben an einem hübschen Sandstrand genießen. Ich glaube, der eigentliche Grund, warum wir auf Reisen das Gefühl haben, dass alles einfacher erscheint, liegt woanders. Unterwegs sind wir ganz auf uns selbst gestellt, müssen uns wieder mehr auf unsere Instinkte als auf unsere Freunde und Familie verlassen und handeln intuitiver. Dazu kommt, dass wir außerhalb unserer Komfortzone einen besseren Blick für das Wesentliche bekommen. Wir tauchen in fremde Welten ein, in denen Menschen oft ganz andere, wirkliche Probleme haben, die uns zeigen, wie dankbar wir für unser Leben sein dürfen. Ich merke immer wieder, dass ich auf Reisen viel demütiger bin, als in meiner Heimat – und so sehr ich mich bemühe, diese Eigenschaft mit in meinen Alltag zu transportieren, so werden allzu viele Dinge doch schnell wieder zur Selbstverständlichkeit.

Wenn ich reise, scheint es manchmal, als ob mein “normales” Leben auf Pause steht und ich in einer Parallelwelt existiere, wo alles irgendwie ein bisschen einfacher erscheint. Aber wenn wir ehrlich sind, ist das Quatsch. Das Leben auf Reisen gehört schließlich genauso zu mir wie mein Leben in Hamburg. Obwohl diese spannende Koexistenz in der Ferne sich manchmal einfach nur wie ein großes Abenteuer anfühlt, ist es doch das, was mein Gesamtpaket ausmacht. Es gibt kein Leben hier und dort, kein “Leben auf der Flucht” – es gibt nur ein Leben und zwar das, für das ich mich entscheide.

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