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5 Tipps gegen Flugangst

Flug über Wien

Ich fliege, seit ich klein bin. Schon meine Eltern sind gerne gereist, also war es klar, dass wir Kinder mit ins Flugzeug steigen. Ich fand das super – bis ich in die Pubertät kam. Ob es nun Verlustängste oder persönliche Befindlichkeiten waren: Zwischen elf und vierzehn verbrachte ich die meisten Flugstunden heulend und zitternd neben meiner Mama und zerquetschte ihr die Hand. Bis heute bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie mich überhaupt noch mitgenommen haben. Als ich mit achtzehn Jahren das erste Mal alleine flog, wurde es tatsächlich besser – wahrscheinlich auch, weil ich mir vor den anderen Fluggästen nicht die Blöße geben wollte. Schluchzen und hyperventilieren funktioniert auch viel besser, wenn man einen mitleidigen Zuhörer hat. Ich dachte also, ich hätte meine Flugangst überwunden. Als ich aber 2011 auf Weltreise war und so viele Flüge wie lange nicht antrat, war es wieder da: das flaue Gefühl im Magen, die schwitzigen Hände, die Schnappatmung, die Spannung im ganzen Körper. Doch da ich dem Reisen längst mit Haut und Haar verfallen war, war es einfach keine Option, das Fliegen bleiben zu lassen. Um nicht jede Reise mit einem kleinen Nervenzusammenbruch zu beginnen, habe ich für mich Techniken entwickelt, wie ich meiner Flugangst entgegenwirke. Und auch wenn mir bis heute bei stärkeren Turbulenzen das Herz in die Hose rutscht, kann ich mit der Angst inzwischen deutlich besser umgehen.

Hier sind meine 5 Tipps gegen Flugangst!

Routinen

Gerade für Langstreckenflüge habe ich genaue Routinen, die ich immer einhalte. Sobald ich sitze, ziehe ich erst Mal meine Schuhe aus und dicke Wollsocken an. Dann klicke ich mich durch das Bordprogramm und suche mir schon einen Film aus, den ich schauen möchte. Der erste Film läuft bereits beim Start und während des Essens. Nach dem Essen und dem Film gehe ich Zähne putzen und mich abschminken – egal welche Uhrzeit wir gerade haben. So signalisiere ich meinem Körper: Es ist Schlafenszeit. Es folgen die Schlafmaske und das Musikprogramm – vorwiegend Adele und Bon Iver. Ich zwinge mich dann, ein paar Stunden zu ruhen, so gut es eben klappt. Augen zu ist ja auch schon Erholung. So fühle ich mich beim „Aufstehen“ wenigstens einigermaßen fit. Wenn ich dann auf die verbleibende Flugzeit schaue und diese unter zwei Stunden liegt, bin ich direkt bester Laune.

Anspannen – Entspannen
Es klingt banal, aber diese simple Übung hilft mir wirklich ungemein. Gerade kurz vor dem Start verkrampft sich mein Körper so stark, ohne dass es mir bewusst ist – kein Wunder, wenn mir nach dem Flug alles weh tut. Sobald mir also auffällt, dass ich meine Muskeln anspanne, mach ich es ganz bewusst. Ich spanne an, halte acht Sekunden und entspanne sie genauso bewusst und konzentriert. Diese Übung wiederhole ich einige Male und merke, wie sich mein Körper dabei beruhigt. Ebenso hilfreich ist die 4-7-8-Atemtechnik: 4 Einheiten eintatmen, 7 Einheiten halten, 8 Einheiten ausatmen. Diese Technik beruhigt und fährt den Puls runter – funktioniert auch super zum Einschlafen.

Über die Angst sprechen
Ist Euch schon mal aufgefallen, dass die eigenen Ängste oft kleiner erscheinen, wenn jemand um einen rum noch mehr Angst hat? Beim Fliegen ist mir das aufgefallen, als ein zitternder 100-Kilo-Muskelmann neben mir saß und starr nach vorne starrte. Ihn zu beruhigen hat mich so locker gemacht, dass ich den ganzen Flug tiefenentspannt war. Doch manchmal bin eben auch ich „das Problem“ und dann lasse ich meine Sitznachbarn (ob sie wollen oder nicht) daran teilhaben. Gerade wenn man alleine fliegt, ist es so hilfreich, einfach mit jemandem sprechen zu können, wenn Turbulenzen mal wieder das ganze Flugzeug durchrütteln. Ihr habt Sorge, Euren Sitznachbarn zu nerven? Ganz ehrlich, die meisten Personen kümmern sich gerne um ihre Mitmenschen, denen es gerade nicht so gut geht – das liegt einfach in unserer Natur. Und man merkt schon schnell, wenn es dem Gegenüber doch zuviel wird.
Ein Tipp, den mir The Happy Jetlagger gegeben hat: Weiht die Stewardessen ein: Ängste teilen hilft und man fühlt sich gleich besser aufgehoben, weil man eben nicht mehr ganz so anonym unterwegs ist.

Tabletten
Ja, es ist wahrscheinlich nicht die allerbeste Lösung, aber manchmal, wenn ich schon vor dem Flug extrem nervös bin, greife ich auf medizinische Hilfsmittel zurück. Ich hab es natürlich schon mit diversen Naturheilmitteln wie Baldrian und Co. probiert, so richtig funktioniert hat das aber nie. Mir hilft das Beruhigungsmittel Dormicum ganz gut, es muss Dir aber von Deinem Arzt verschrieben werden. Am besten hilft bei mir Vomex: das ist eigentlich gegen Übelkeit (was ja oft auch mit der Flugangst einher geht), es macht einen aber auch ein wenig duselig und schön müde. Ganz wichtig: Mixt die Medikamente auf keinen Fall mit Alkohol, das kann echt daneben gehen.

Technik verstehen
Wenn ich von meiner Flugangst erzähle, kommt immer irgendwann der gleich Satz „Aber Fliegen ist doch das sicherste Transportmittel“. Ja, ich weiß, ich habe die Studien auch gelesen. Trotzdem ist es immer wieder komisch für mich, dass ein so riesiges, schweres Flugzeug einfach durch die Luft fliegen kann. Das widerspricht einfach jedem (meinem) logischen Denken – vor allem, wenn man keine Ahnung von Technik hat. Als ich jünger war, hat mein Papa – der ist Physiker – mir genau erklärt, wie ein Flugzeug funktioniert. Ich gebe zu, alles ist bis heute nicht hängen geblieben, aber es hilft definitiv zu wissen, warum zum Beispiel Luftlöcher entstehen oder wie ein Flugzeug überhaupt in der Luft bleiben kann. Es wird also Zeit, mal wieder ein bisschen was dazu zu lernen!

Habt ihr auch Flugangst? Dann erzählt mir doch, wie ihr damit umgeht!

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1 Kommentare

  1. Hallo Henrietta,
    das sind echt gute Tipps.
    Wobei man mit den Tabletten das lieber vorher testet, so manch einer reagiert heftiger auf diese Art Tabletten und wenn die Wirkung dann erst im Flugzeug einsetzt, wo sowieso der Körper mitunter anders reagiert…
    …ein Gläschen Sekt ist (getrennt davon ;) ) aber auch nicht schlecht. Der dollere Schwips beruhigt auch ;)
    Du machst das ja schon ganz automatisch; ich weiß nicht, ob Du schon mal davon gehört hast – aber für den Fall, dass du das nochmal vertiefen möchtest:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Progressive_Muskelentspannung
    Die progressive Muskelentspannung nach Jacobson habe ich mal in einer Schulung (für genau solche Flugangstfälle) ausprobiert, hilft auch in anderen Situationen gut.
    Liebe Grüße,
    Tatiana

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